Obsoleszenz-Management: »Langzeitlagerung ist elementarer Bestandteil!«

Über Herausforderungen und Chancen, die die Langzeitlagerung von Komponenten für das Obsoleszenz-Management bietet, sprach Markt&Technik Chefredakteur Heinz Arnold mit Sascha Munsbeck, Head of Production Engineering bei der btv technologies.   

Markt&Technik: Welche Rolle spielt die Langzeitlagerung von elektronischen Komponenten aus Ihrer Sicht im Obsoleszenz-Management?

Sascha Munsbeck: Die btv technologies sieht die Langzeitlagerung als elementaren Bestandteil des Obsoleszenz-Managements, zukünftig sogar noch stärker als heute. Kürzere Innovationszyklen in der Halbleiterentwicklung sowie die zunehmende Abkündigung von Produkten, langfristige Versorgungssicherheit für Steuergeräte und weitere Faktoren sorgen für eine stetig steigende Nachfrage nach Langzeitlagerung, nicht nur in der Automobilindustrie, sondern auch in anderen Industriezweigen.

 

Welche Unternehmen nutzen typischerweise die Langzeitlagerung?

Sascha Munsbeck: Unser Kundenportfolio ist im Bereich der Langzeitlagerung breit gestreut. Von A wie Automobilindustrie, mit der wir in direktem Kontakt stehen, bis Z, den Zulieferern der verschiedensten Industriezweige vertrauen diese der btv technologies im Bereich des Obsoleszenzmanagements.

 

Wie prüft btv die Komponenten, die die Kunden einlagern wollen, zunächst auf ihren Zustand, um sicher zu stellen, dass sie voll funktionstüchtig sind, bevor sie ins Lager wandern?

Die btv technologies führt im Wareneingang für alle eingehenden Waren eine Identitäts,- Quantitäts- und Unversehrtheitsprüfung durch. Daran angeknüpft erfolgt gleichzeitig die Aufnahme und Verwaltung aller zur Verfügung gestellter Traceability Daten. Darüber hinaus analysieren wir gemeinsam mit unseren Partnerunternehmen, Maßnahmen für die Konservierung der uns zur Langzeitlagerung anvertrauten Produkte. Diese werden im Vorfeld mit unseren Kunden im Sinne der nachhaltigen Qualitätssicherung abgestimmt und dokumentiert. Eine Prüfung auf Funktionsfähigkeit erfolgt in der Regel nicht und wird in der Praxis von keinem unserer Kunden gefordert, sondern vielmehr liegt der Fokus der Sicherstellung auf der Erhaltung der Werkstoffeigenschaften.

 

Markt&Technik: Welche Typen von Komponenten können eingelagert werden?

Wir haben eine über 20-jährige Erfahrung mit der Langzeit-Einlagerung von Halbleitern, passiven Bauelementen sowie von kompletten Baugruppen, Mainboards und Steuergeräten. Vom Grundsatz her können bei der btv technologies Artikel aller Art eingelagert werden, nicht nur elektronische Bauelemente, sondern beispielsweise auch Steckverbinder, Metallteile und andere Elemente.

 

Welche Verfahren wendet btv an, um die elektronischen Komponenten über längere Zeit einlagern zu können, so dass die typischen Alterungsprozesse nicht eintreten und sie in den Zielgeräten über viele Jahre arbeiten können?

Die konservierenden Einlagerungen erfolgen gemäß den Angaben und Empfehlungen unserer Partner, bei denen es sich um Laboratorien und Institute handelt, die jeweils mit dem Kunden gemeinsam im Vorfeld abgestimmt wurden. Der gesamte Einlagerungsprozess orientiert sich an der Norm DIN EN IEC 62435. Hierbei werden ESD-sichere Feuchteschutzbeutel mit Stickstoff geflutet und die Komponenten anschließend im Teil – Vakuum mit Zugabe von Trockenmittel und einem Indikator gelagert. Durch die Haltbarkeit (shelf life) der Umverpackung kann mit dem Kunden ein flexibler Repacking-Zyklus abgestimmt werden, in dessen Verlauf die Feuchteschutzbeutel inkl. des Trockenmittels und des Indikators erneuert werden. 

Bei wieviel Jahren liegen die typischen Einlagerzeiten?

Laut den bisherigen Erfahrungen der btv technologies variieren die Einlagerzeiten zwischen 12 Monaten bis hin zu mehr als 20 Jahren.

Wie groß ist das Lager, wie viele Komponenten können Platz finden?

Die btv technologies ist seit nunmehr 30 Jahren ein dynamisches Dienstleistungsunternehmen und orientiert sich grundsätzlich an den Anforderungen und Wünschen ihrer Kunden. Bis heute konnten wir alle an uns herangetragenen Anforderungen, nicht nur die Kapazitäten betreffend, sondern in allen Bereichen, insbesondere im Bereich Qualität, nachhaltig erfüllen.

Wie und wie häufig wird der aktuelle Zustand der eingelagerten Komponenten überprüft?

Die btv technologies orientiert sich dabei zum einen an den Empfehlungen anerkannter Institute, zum anderen werden gewünschte Kundenvorgaben selbstverständlich berücksichtigt. Basierend auf unseren Erfahrungen haben wir heute einen Testzyklus von ca. zwei Jahren, der zwischen halbjährlich bis hin zu keiner Testung im Zyklus variieren kann. Bei Ablauf des vereinbarten Zyklus werden die eingelagerten und ungeöffneten Verpackungseinheiten zu unseren Partnern gesandt. Diese analysieren und vergleichen den heutigen Ist-Zustand mit dem Zustand zum Zeitpunkt der letzten Einlagerung. Die gewonnenen Erkenntnisse werden anschließend dokumentiert und den Kunden mitgeteilt. Im Falle von Abweichungen, werden daraus resultierende Maßnahmen gemeinsam abgestimmt. Andernfalls erfolgt das erneute Verpacken der Komponenten und die anschließende Wiedereinlagerung.

Welche Maßnahmen zum Schutz des Lagers gibt es, so dass die Komponenten sicher über viele Jahre verwahrt werden können?

Selbstverständlich verfügen wir über Standardbrandschutzvorrichtungen und Einbruchsschutzkonzepte. Zur Absicherung von Elementarschäden verfügen wir über qualifizierte, unterschiedliche Einlagerungsorte, die ständig unter Berücksichtigung der geforderten Kriterien von uns überwacht werden. Darüber hinaus verfügt die btv technologies über klimatisierte Lager sowie ein komplett ESD-sicheres Lagergebäude mit einer autorisierten Personenkontrolle.

 

Erfahren Sie mehr zum Thema Langzeitlagerung bei btv technologies:

Langzeitlagerung – btv technologies

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